Weisheiten, mit denen wir aufräumen "Gelobt sei, was hart macht!" Das ist die zwar einfache, aber falsche Annahme, dass maximal anstrengende Belastungen die besten Trainingsergebnisse hervorrufen. Richtig sei, dass sich die positive Wirkung von Ausdauertraining wie Walking, Jogging oder Radfahren nur erreichen lasse, wenn man ruhig zu Werke gehe. Zu hohe Anstrengung mache wichtige Trainingseffekte wie Stressabbau oder die Stärkung des Immunsystems zunichte. "Muskelkater ist das beste Zeichen für ein wirksames Training!" Die Zeiten, als man daran glaubte, sollten eigentlich längst vorbei sein. "Heute weiß man, dass Muskelkater durch winzige Verletzungen der Muskulatur zu Stande kommt." Und die sollten tunlichst vermieden werden. "Das beste Mittel gegen Muskelkater lautet: das selbe noch mal!" Noch so ein Tipp aus der Steinzeit der Trainingslehre."Selbst die ganz harten Trainer wie Felix Magath würden das heute nicht mehr fordern." Vielmehr sorgten ganz sanfte Bewegungen wie lockeres Joggen oder Schwimmen dafür, dass die Durchblutung in den verletzten Muskelanteilen zunehme und damit die Heilung unterstütze. "Nach 30 Minuten Dauerlauf setzt die Fettverbrennung ein." Die Vorstellung sei handlich, aber falsch. Schon nach etwa zwei Minuten setze beim lockeren Dauerlauf die Fettverbrennung ein, allerdings zunächst mit einem minimalen Anteil am gesamten Energieaufkommen. Nach einer halben Stunde beginne die Energiemenge, die der Körper aus der Nutzung der Fettreserven gewinne, die anderen Energiequellen in den Schatten zu stellen, vor allem die Kohlenhydrate. "Wenn man einmal in die Sauerstoffschuld gerät, dann ist der Lauf für die Katz!" Genau so falsch wie die vorherigen Aussagen.Natürlich stellt sich der Organismus darauf ein, dass ich beim Training richtig Gas gebe und reduziert zwangsläufig die Fettverbrennung." Das sei aber nur vorübergehend so. "Ein einzelner Berg, den ich mit Volldampf hinauf keuche, macht mein Training nicht kaputt. Ich muss, oben angekommen, einfach ein paar Minuten besonders ruhig weiter trainieren, um den entstandenen Sauerstoffmangel wieder abzubauen." "Schwimmen ist der optimale Gesundheitssport." Diese Behauptung stimmt, sagt der Arzt mit Einschränkung: "Leider schwimmt kaum jemand in der aus orthopädischer Sicht optimalen Kraultechnik. Die meisten Leute baden, hängen senkrecht im Wasser, kommen kaum vom Fleck, klammern sich nach einer halben Minute wieder an den Beckenrand." "Lassen Sie sich Ihr Fett einfach wegmassieren." Ein Werbespruch, der auch durch häufiges Wiederholen nicht an Wahrheit gewinne. Erhöhtes Körperfett und Übergewicht ließen sich abbauen, indem mehr Energie verbraucht werde, als man beim Essen dem Körper zuführe - aber nicht durch Rubbeln und Kneten. Der "Waschbrettbauch": Das sei ein Trick der Männerzeitschriften,"Ziele aufbauen, die die Leser ohnehin nie erreichen." Männer neigten genetisch dazu, Übergewicht am Bauch anzusetzen. Daran lasse sich nichts ändern, genau so wenig wie an der Veranlagung vieler Frauen zur Orangenhaut und zum dicken Po. Es reiche, wenn die Bauchmuskulatur gut genug in Form sei, um mit den Rückenmuskeln im Duett die Wirbelsäule zu stützen gegen Rückenschmerzen. "Dauerlauf macht die Gelenke kaputt." Auch das sei falsch: Man wisse heute, dass gerade der regelmäßige, dosierte Gebrauch die Gelenkfunktionen erhalte. Gefährlich im Sport seien vielmehr die vielen Verletzungen, die bei den heftigeren Sportarten wie etwa Fußball, Handball oder Squash aufträten.
